Mein Austauschjahr in Amerika
Nach der zehnten Klasse im Gymnasium hatte ich mich entschlossen, mein Schuljahr 2002-2003 in den USA zu verbringen. Nachdem bei der Bewerbung alles geklappt hatte, ging es nach Texas, in den kleinen Ort Sadler mit 495 Einwohnern. Etwas aufgeregt war ich schon, immerhin war ich jetzt ein Jahr lang auf mich allein gestellt, doch ich wurde sofort von meiner Gastfamilie, den Richardsons, ganz herzlich empfangen und in die Familie aufgenommen. Neben meinen Gasteltern Joe und Kathy hatte ich noch 3 kleinere 'Geschwister' (Lilly (3), Trey (5) und Amanda (12)). Wir haben uns sehr schnell gut verstanden und babysitting stand auf der Tagesordnung. Sonntags sind wir immer in die Kirche gefahren, der Glaube und die Kirche als soziales Zentrum sind in den Südstaaten sehr wichtig. Meine Gastmama war eine Stay-at-home-Mom, Joe war durch seinen Job überall auf Welt unterwegs.
Nach 3 Wochen Eingewöhnen ging für mich die Schule los an der S&S HighSchool. Dort gab es viele neue Eindrücke und auch strengere Regeln als an unserer Schule (der Dresscode zum Beispiel). Dafür habe ich den School Spirit der 300 Schüler HighSchool genossen. Wenn wir ein Footballgame hatten, trugen alle Schüler die Schulfarben (rot und gold) und auch die Cheerleader haben die Stimmung angeheizt. Außerdem hat jede Schule auch ein Maskottchen. Mein Schultag begann jeden Morgen um 8 Uhr, man hat jeden Tag die gleichen Fächer bis etwa 15:15 Uhr. Danach ging es nicht etwa nach Hause, sondern zu einigen der zahlreichen Aktivitäten, die einem als Schüler angeboten werden, z.B. Theater, Chor, Basketball, Football, Volleyball, Golf oder Tennis. Außerdem gab es noch einige Clubs (Spanisch Club). Manchmal ging es während des Unterrichts etwas seltsam zu, z.B. kam einmal in der Woche ein Drogenhund, der unsere Taschen durchschnüffelte oder am Valentine´s Day bekamen mache Leute riesige Blumensträuße in den Raum geschickt. Das Schuljahr war vollgepackt mit bunten Tagen, wie Pyjamer Day, wo alle im Schlafanzug zur Schule kamen oder Halloween, wo sogar unser Direktor als Winnie Pooh verkleidet war. Abends sind wir an Halloween dann von Haus zu Haus gegangen, um Süßigkeiten einzusammeln. Nach Thanksgiving (als es Truthahn gab) kam die Weihnachtszeit, die etwas anders war, als bei uns. Am Weihnachtsmorgen hieß es 4:30 aufstehen und Geschenke auspacken, ganz schön müde war ich schon. Nach den kurzen Weihnachtsferien ging es in Schule noch einmal richtig los mit jeder Menge Projekten und School Trips nach Dallas, San Antonio und Houston. Ostern stand schnell vor der Tür und meine Eltern aus Deutschland kamen mich in meinem neuen Zuhause besuchen. Sie haben sich prima mit meiner amerikanischen Familie verstanden, wir sind zusammen campen gefahren nach West Texas in die Wüste.
In der Schule stand nun die Prom (der Abschlußtanz) bevor. Schon Wochen vorher herrschte große Aufregung bei allen Mädchen: Welches Kleid nehme ich, wie lasse ich meine Haare machen? Welcher Junge fragt mich auf ein Date? Ich konnte diese Euphorien nicht ganz nachvollziehen. Ende Mai war das Schuljahr für mich eigentlich schon vorbei, den ab Juni gab es Sommerferien. Vorher durfte ich als Senior jedoch die Graduation (Abschlußzeremonie) miterleben und bekam auch ein Diplom überreicht. Für meine Mitschüler dort war's das mit der HighSchool. Nun geht's los mit dem Studieren, doch ich muß in Deutschland erst noch mein Abitur ablegen.
Da ich bis zum 11.Juli 2003 in den Staaten bleiben durfte, hieß es nun, sich in den langen und heißen Sommerferien zu beschäftigen. Von der Schule aus habe ich ein Basketballcamp mitgemacht. Meine Austauschorganisation (www.YFU.de) hat mir einen Trip nach New Orleans und Florida angeboten. Mit etwa 50 Austauschkids waren wir für 14 Tage unterwegs, es waren die besten Wochen des ganzen Jahres, wir hatten super viel Spaß und ich hab jetzt Freunde aus Korea, Japan, Schweden usw.. Ungefähr 2 Wochen bevor ich wieder nach Hause fliegen sollte hab ich mit meiner (Gast-)Familie noch einen Roadtrip zum Gran Canyon gemacht. Auf der Route 66 ging es durch Texas, New Mexiko und nach Arizona. Es war das Beeindruckendste, was ich je gesehen habe, einfach atemberaubend dieser Canyon. Wir sind dort auf viele Indianer gestoßen und haben uns einige Reservate angeschaut. Hier ist es halt Multikulti, neben Weißen, Schwarzen, Mexikanern und Indianer finden sich auch kleine deutsche Austauschschüler, wie mich. Im Juli hieß es dann Abschied nehmen von Joe, Kathy, den Kleinen und Amerika.
Ich vermisse die Klimaanlagen, die weitläufigen Straßen, das mexikanische Essen und die Herzlichkeit der Menschen. Das Jahr war auf jeden Fall eines der Besten, das ich bisher erlebt habe - auch wenn es manchmal sehr schwer ist und man sich auch mal einsam fühlt in der Ferne. Ich würde mich trotzdem jederzeit noch einmal dafür entscheiden, immerhin hab ich jetzt ein zweites Zuhause und meine Familie hat sich um viele liebe Menschen vergrößert. Es ist das Beste, was mir passieren konnte.
Isabel Fritsch
Ich bin für alle Fragen offen, falls jemand Interesse hat :)
Osterburg, August 2003

