Langobardenprojekt Zethlingen

Seit dem Jahre 2004 ist das Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg Teil des Geschichtsnetzwerkes Sachsen-Anhalt. Zusammen mit der Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart, der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und des Johann-Friedrich-Danneil-Museum in Salzwedel wird 2005 erstmalig auf dem kaiserzeitlichen Urnengräberfeld in Zethlingen/Altmark eine Ausgrabung durch Schüler und Schülerinnen organisiert.
Zahlreiche Exkursionen, die Teilnahme am 1. Schülerkongress der Universität Magdeburg, 2005, eine Ausstellung in der Sparkasse Osterburg, 2006 und die Präsentation des Projektes auf dem Symposium der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin im Herbst 2006 folgen. Die Grabung 2007 ist in Vorbereitung. Zusätzlich wird die experimentelle Archäologie Bestandteil des Projektes.


Bilder:
1 Grabungsmannschaft 2006: Grabungsleiter Lothar Mittag, Florian Niemann, Martin Nowack, Sabine Andert, Elisabeth Wiesicke, Andre Stallbaum (h. R.), Melanie Rosteck, Jana Falke, Maria Muhl, Elisabeth Himmel, Jana Trümper, Juliane Alm, n. i. B. Anne Fengler, Volker Schütte
2 Freilegung der Grabungsfläche
3 Organisatoren der Ausstellung 2006: Martin Nowack, Elisabeth Wiesicke, Aileen Maasdorff, Maria Muhl, Jana Trümper, n. i. B. Florian Niemann, Volker Schütte
4 Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung am 8. Juni 2006
5 Letzte Absprachen vor dem Eröffnungsreferat auf dem 1. Denkwerk-Symposium der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin am 16. November 2006: Sabine Andert, Maria Muhl, Elisabeth Wiesicke, Jana Trümper

Ausgrabung

Nachdem die Grabungsfläche ausgemessen und abgesteckt wurde, konnte die Grasnarbe abgetragen werden. Nun musste vorsichtig Millimeter für Millimeter der Sand abgetragen werden, um jede Veränderung der Bodenbeschaffenheit genau zu untersuchen. Erste auffällige Steinanordnungen, die auf „langobardische“ Gräber hinwiesen, wurden in einer Grabungsskizze festgehalten. In der Nähe der ersten Steinformation konnten dann nach kurzer Zeit zwei Eisenfibeln und Leichenbrand freigelegt werden. Einziges Arbeitsgerät war ab diesem Moment nur noch Pinsel und eine kleine Kelle. Nach dem Freilegen wurde die Fundsituation, wie bei allen späteren Artefakten, ausführlich dokumentiert. Anschließend wurden die Steine entfernt, ohne auf den erhofften „Totentopf“ zu stoßen. An einer anderen Stelle des Grabungsfeldes befanden sich ebenfalls auffällige Steinanordnungen. Nach deren Dokumentation und Entfernung befand sich an dieser Stelle tatsächlich ein relativ gut erhaltenes Grab. Die Urne, in der der sogenannte Leichbrand, also die sterblichen Überreste eines „Langobarden“ zu finden waren, musste vorsichtig geborgen werden. Zuvor wurde auch sie in die Karte eingezeichnet und fotografiert. Nun wurde der Boden um die Urne entfernt und diese mit Gipsbinden vorsichtig geklammert. Die nun gut verpackte Urne wurde in das Landesamt für Archäologie nach Halle geschickt, um dort weiter ausgewertet zu werden. Unter den anderen Steinansammlungen befanden sich zwei weitere allerdings stark beschädigte Gräber. Hier mussten sorgfältig alle Fundstücke einzeln geborgen werden.


Bilder:
6 Die ersten Funde, zwei Eisenfibeln
7 Germanisches Urnengrab
8 Teil einer bronzenen Eberfibel
9 Dokumentation der Fundsituation in der Grabungsskizze: Lothar Mittag, Jana Trümper
10 Reste einer stark zerstörten Urne

Prästentation der Ausgrabungsergebnisse

Ausstellung in der Sparkasse Osterburg 8. Juni 2006

Die Langobarden

Der germanische „Stamm“ der Langobarden, der nach der eigenen Stammessage aus Skandinavien stammte, soll sich zum Ende des 1. Jahrhunderts an der Elbe und in der heutigen Altmark niedergelassen haben. Im Zuge der Völkerwanderung gelangten Namensträger über Pannonien 568 bis nach Norditalien und gründeten für zwei Jahrhunderte ein eigenständiges Königreich. Die Landschaftsbezeichnung Lombardei zeugte bis heute davon. Im 7. Jahrhundert traten die Langobarden zum katholischen Christentum über. 634 wurde mit dem „Edictum Rothari“ das langobardische Recht erstmals schriftlich festgehalten, das durch seine lange Anwendung in Italien als „Ausgangspunkt für das Erwachen einer abendländischen Rechtsgelehrsamkeit“ angesehen wurde. Die Selbständigkeit verlor das langobardische Königreich 774 nach der Eroberung durch die Franken unter Karl dem Großen. Durch die Langobarden erfolgte die Verschmelzung der germanischen, römischen und byzantinischen Kultur auf der Apenninhalbinsel. Charakteristische Zeugnisse ihres Wirken finden sich in zahlreichen Kirchenfresken und Buchmalereien.


Bilder:
11 Mittel- und Westeuropa in der frühen römischen Kaiserzeit
12 Römische Trompetenfibel, Durch den regen Austausch mit dem Römischen Reich gelangten in der frühen und mittleren römischen Kaiserzeit über das Rhein-Main-Gebiet und die Elbe Importwaren in die Altmark. Die zumeist in Silber gefertigten Fibeln wurden auch kopiert und zu eigenen Formen abgewandelt. Zeichnung Maria Muhl
13 Rekonstruktion der paarigen Tragweise zweier Trompetenfibeln aus dem 3. Jh. n. Chr. am Obergewand einer Frau. Zeichnung Maria Muhl
14 Rollenkappenfibel, mit nach außen umgeschlagenem plastischen Sehnenhaken als menschlichem Kopf, Ausschnitt, Bronze, 2. Jh. n. Chr. Zeichnung Jana Trümper
15 Ausstellung in der Sparkasse Osterburg